2.1 Die Fahrt der "Prestige"

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Die ursprüngliche Fahrt der "Prestige", die unter der Flagge der Bahamas unterwegs war, sollte von Riga nach Gibraltar gehen und in einem spanischen Hafen die Ladung des Havaristen umpumpen. Doch die spanischen Behörden untersagten dies. Also wurde die "Prestige" im lettischen Ventpils betankt. In Seenot geraten und Leck geschlagen hatte sie in der Nähe von Kap Finisterre. Der eigentlich bedrohlichste Punkt der Passage ist die als Nadelöhr der Ostsee bekannte Kadetrinne. Dort kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Unfällen. Diesmal jedoch verlief die Fahrt an dieser Stelle ohne Probleme. Das Merkwürdige an der Sache war, dass der nach dem Unglück verhaftete Kapitän als Zielhafen Singapur angab.

2.2 Verlauf des Prestige-Unglücks

Der Tanker "Prestige" war am 19.11.02 während eines Sturms vor der galizischen Küste in Seenot geraten und mit schwerer Schlagseite auf die Küste zugetrieben. Durch ein Leck flossen rund 5000 Tonnen Öl ins Meer. Die undichte Stelle konnte später abgedichtet werden. Im Gegensatz zu moderneren Tankern hat die 26 Jahre alte "Prestige" keine doppelten Außenwände.
Lissabon weigerte sich einen Nothafen für den leckgeschlagenen Tanker zu öffnen - es handle sich bereits jetzt um eine ökologische Katastrophe, erläuterte Ministerpräsident Manuel Durao Barroso. Umweltschützer allerdings hatten Spanien frühzeitig aufgefordert, die Ladung des Havaristen abzupumpen, statt ihn aufs offene Meer hinauszuziehen. "Wir verstehen das nicht", klagte Juan Lopez de Uralde, der Direktor von Greenpeace Spanien, "die Technik war da."
Die "Prestige" lag bei schwerer See mit 25 Grad Schlagseite rund 50 Kilometer vor dem Kap Finisterre im äußerten Nordwesten Galiziens und drohte auseinander zu brechen. Im Meer trieb bereits ein Ölteppich von etwa sechs Kilometern Länge, teilten die spanischen Behörden mit.


Am Mittwoch, den 20.11.2002, brach der Supertanker Prestige 233 Kilometer vor der nordspanischen Küste in zwei Teile. An Bord waren etwa 60 000 Tonnen Öl.
Der vor Nordspanien havarierte Tanker "Prestige" entfernte sich weiter von der Küste. Die drohende Umweltkatastrophe schien gebannt, aus dem leckgeschlagenen Großtanker trat kein Öl mehr aus. Am Freitag morgen befand er sich rund 60 Seemeilen (etwa 110 Kilometer) vom Ufer entfernt auf dem offenen Meer.
Allerdings trieb der nach dem Unglück entstandene Öl-Teppich auf die Küste zu. Er war fast 40 Kilometer lang und 200 Meter breit. Um das Öl notfalls aufhalten zu können, wurden auf einer Länge von acht Kilometern entlang der Küste Galiciens Öl-Barrieren aufgebaut. Durch das Leck flossen nach Angaben der Behörden 5000 Tonnen Öl ins Meer.
Am Donnerstag war es gelungen, die Maschinen des mit 77 000 Tonnen Öl beladenen Großtankers wieder in Gang zu setzen. Somit konnte das Schiff sich aus eigener Kraft von der Küste entfernen. Unterstützt wurde es dennoch von drei Schleppern. Auf offener See sollte ein niederländisches Bergungsteam das Öl auf andere Schiffe umpumpen.
Die ersten Boten der Tragödie hatten das Land längst erreicht. Mindestens 4000 Tonnen der schwarzen Pest schwappten bereits dem zerklüfteten Ufer entgegen, seit per Notruf vor einer Woche das Leck in der Bordwand der Prestige gemeldet worden war. Auf mehr als 130 Kilometern Länge hatte sich in unterschiedlicher Stärke ein schmieriger Film wie ein dunkles Leichentuch auf die Costa da Morte, die Todesküste, gelegt und Federn, Felsen, Sand verklebt.
Schon näherte sich die zweite Welle aus dem Kielwasser des Havaristen, das auf der Irrfahrt zurückblieb, 130 Kilometer lang, neun Kilometer breit und bis zu 40 Zentimeter dick, ein grässlicher Bandwurm. Die Strömung drückte den stinkenden Teppich fetzenweise gegen die Klippen und bedrohte damit auch die wunderschönen Buchten der Rias Bajas sowie die vorgelagerten Inseln, derweil Kritiker bezweifeln, ob die eingeschlagene Taktik zur Abwehr der Ölpest geeignet war.


2.3 Die Ursache für das Tankerunglück

Vor allem der Zustand des Schiffes hat zu der Katastrophe geführt. Die "Prestige" hatte mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, zum Beispiel hatte das Schiff keine Doppelhülle und war schlecht gewartet. Das Schiff wurde zuletzt 1999 in Russland, St. Petersburg, kontrolliert. Die Crew und der Reeder zeigten wenig Verantwortung.
Aber auch die spanische und portugiesische Regierung haben die Katastrophe gefördert, indem sie das Schiff nicht in einer ruhigen Bucht abpumpen ließen, sondern es auf internationale Gewässer schleppen ließen, um sich nicht mehr darum kümmern zu müssen.
Außerdem ging das Unglück von einem Sturm aus, der das Schiff manövrierunfähig machte. Die Spanische Regierung wartete auf Hilfe von anderen Ländern.
Eine andere Ursache war, dass die Matrosen nicht ausgebildet waren und damit nicht wissen konnten, was in einer Notsituation zu tun ist.
Als die Prestige sank, kam das Öl erst aus dem Bug heraus, dann zerbrach das Schiff und 20000 Tonnen Öl flossen ins Meer hinaus.


2.4 Hilfsmaßnahmen beim Tankerunglück der "Prestige"

Nachdem die ersten Ölteppiche an das Ufer der spanischen Küste geschwemmt wurden, begannen Tausende freiwillige Helfer, darunter mehrere Marinesoldaten, das klebrige Öl mit Schaufeln oder mit den Händen zu beseitigen. Dies ist aber eine relativ wirkungslose Maßnahme, da die riesigen Uferabschnitte, die durch das Öl verseucht sind, nicht allein mit den Händen davon befreit werden können.
Die spanische Regierung hat jedoch wenig für Hilfe gesorgt und den Vorfall zunächst als harmlos heruntergespielt. Erst nach einigen Tagen baten Bürgermeister galizischer Küstenstädte um Hilfe aus der EU. Zuerst beteiligten sich zwei französische Ölbeseitigungsschiffe an dem Kampf gegen die Ölteppiche und auch sie beklagten sich über die mangelnde Zusammenarbeit der spanischen Regierung. Es wurden auch noch vier Mio. Euro bereitgestellt, um mit Spezialnetzen das Öl aufzunehmen.
Mit der Zeit trafen Schiffe aus mehreren europäischen Ländern ein, darunter auch das Ölbeseitigungsschiff "Neuwerk" aus Cuxhaven. Bei den 7 weiteren Spezialschiffen, handelte es sich ausschließlich um ausländische Schiffe aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen und Belgien, es war kein spanisches Schiff beteiligt.
Aufklärungsflugzeuge erkundeten die Unfallstelle aus der Luft. Portugal hatte ebenfalls seine Hilfsmaßnahmen verstärkt und Ölbarrieren errichtet, da das Öl durch den Wind in diese Richtung getrieben wurde. Das deutsche technische Hilfswerk (THW) brach zusätzlich mit 30 Spezialisten zu einem 14-tägigen Einsatz nach Spanien auf. Sie sollten die von der EU bereitgestellte Spezialtechnik zur Ölabwehr einsetzen und die spanischen Helfer in der Handhabung der Technologie unterstützen. Deutschland sprach sich auch für die Gründung eines Katastrophenfonds aus, der etwa eine Mrd. Euro enthalten soll.
Greenpeace beteiligte sich mit Aktivisten/innen aus Österreich, Ungarn und der Slowakei in Galizien an den Hilfsmaßnahmen. Die Aktivisten/innen wollten bei der Reinigung an den verseuchten Stränden helfen. Die Greenpeace-Aktivisten/innen fuhren die Strände bei Barranan, Caion und Malpica bei La Coruna ab, um das Ausmaß der Katastrophe einzuschätzen. An einem Strand wurde eine Probe des giftigen Schweröls genommen und in ein Labor zur Untersuchung gebracht.
Sie sammelten fast eine Tonne des giftigen Ölschlamms in Säcken ein. Die Aktivisten/innen arbeiteten in Gummianzügen und mit Atemschutzmasken gegen die giftigen Öldämpfe. Lokale Behörden lehnten die Hilfe der freiwilligen Aktivisten/innen ab und verweigerten sogar einen Container, um das Öl abzuholen.

2.5 Vogelopfer der Ölkatastrophe

Ein Massensterben für Wasservögel setzte nach der Katastrohe an der Ostküste Spaniens ein. Auch der Nationalpark der Atlantischen Inseln ist betroffen. Bisher starben etwa 50 000 Vögel einen qualvollen Tod.
Es gibt rund 33 Vogelarten, die verölt und verpestet wurden. Vögel, die dazu gehören, sind unter anderem der Regenpfeifer, Möwen, Schnepfen und Alken.
Die Auffangstationen tun alles dafür, die Vögel zu retten, doch eine Reinigung ölverschmutzter Tiere ist umstritten, da die Tiere einen dreifachen Tod erleiden:
Sobald ein Vogel mit Öl in Berührung kommt, fängt er an sich zu putzen, dadurch schluckt er das Öl und vergiftet sich. Gleichzeitig verhungern die Vögel, da sie nichts essen bevor sie ihr Gefieder gereinigt haben. Außerdem erfrieren sie, da das Öl ihre Federn zerstört und die feine Struktur das Wasser nicht mehr abhalten kann. Diese feine Struktur ist bei der Reinigung kaum zu erhalten. Die mittlere Überlebensdauer liegt somit nur bei etwa 7 Tagen.
Also ist die Rettung von einzelnen Tieren nur sinnvoll, wenn sich der Vogel anschließend wieder seiner Brutkolonie anschließt und Nachkommen produziert.
Es ist also wichtiger das gesamte Ökosystem im Blick zu behalten.

Links zum Thema "Ölvogelhilfe":

http://www.vogelfreund.de/
http://www.animalnews.de/
http://www.meeresakrobaten.de
http://www.papageienschutz.de/
http://www.oelvogelhilfe.de/
http://www.vogelpflegestation.de/
http://www.birdnet.de
http://www.terra-mater.de
http://www.tierhilfswerk.de/
http://www.komitee.de

2.6 Auswirkungen auf Meerestiere

Die bei dem Tankerunglück vom Öl freigesetzten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) sind hoch krebserregende Stoffe. Wale und Delphine, die in das verseuchte Wasser hineingeraten, aber auch Muscheln, Krebse und Schnecken werden vergiftet und verenden.
Der bei dem Tankerunglück ausgetretene Ölteppich bedroht ein für Meerestiere wichtiges Gebiet vor der Nordküste Spaniens, in dem auch Wale Delphine leben. Mehr als 20 Wal- und Delphinarten wurden in der Bucht von Biscay bereits identifiziert.
Es gibt zwei entscheidende Unterschiede in Bezug auf das, was mit Seevögeln passiert, wenn sie in einen Ölteppich geraten, und den Auswirkungen eines solchen Tankerunglücks auf Wale und Delphine:
Da Cetacea (Wale und Delphine) weder Fell noch Federn als Isolation besitzen (ihre Unterhautfettschicht schützt sie vor Kälte), laufen sie nicht so sehr Gefahr, vom Öl verschmutzt und verklebt zu werden. Während jedoch die Körper der mit Öl verschmutzten Vögel die offensichtlichsten Symbole eines großen Tankerunglücks sind, werden die Auswirkungen auf Cetacea, inklusive der dadurch verursachten toten Wal- und Delphinkörper, weit weniger deutlich sichtbar. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Tiere nicht beeinträchtigt werden. Rohöl oder andere Öle haben nicht nur physikalische Auswirkungen, sondern, auch chemische Auswirkungen auf die betroffenen Meereslebewesen, zum Beispiel Vergiftungen, da sie aus vielen Bestandteilen bestehen.
Der Großteil der gefährlichen Bestandteile in Ölteppichen ist naturgemäß auch der flüchtigere Anteil, der schneller verdampft. Demnach sind jene Tiere, die vor kurzem ausgetretenem Öl begegnen, besonders der Gefahr ausgesetzt, toxische Gase einzuatmen.
Außerdem besteht eine große Gefahr für den Naturpark "Curredo", der als Kinderstube vieler Fische gilt.
Wale und Delphine können aufgrund ihres hervorragenden Echoloten Ölschlicks vermeiden, jedoch hat die Evolutionsgeschichte die Tiere auf ein solches Problem nicht vorbereitet und viele erkennen Ölteppiche vermutlich nicht als Gefahr an. Wale und Delphine wurden bei vergangenen Tankerunglücken bereits dabei beobachtet, wie sie in den Ölteppich schwammen und es kann sein, dass die Verteilung und das Ausmaß des Ölteppichs ihnen keine Möglichkeit bietet, zu flüchten. Diesbezüglich von entscheidender Bedeutung ist die Tatsache, dass Wale und Delphine regelmäßig an die Oberfläche kommen müssen, um zu atmen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass das aktuelle Tankerunglück eine Langzeitverschmutzung zur Folge haben wird, da ein Teil des Öls absinkt und im Sediment des Meeresboden eingeschlossen wird. Dieses verschmutzte Sediment wird von Zeit zu Zeit aufgewühlt werden und dann wird das Öl wieder in das marine Ökosystem gelangen und negative Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette haben. Am Ende der Nahrungskette stehende Tiere wie Schnabelwale und Delphine sind besonders empfindlich in Bezug auf Änderungen der marinen Nahrungskette. Die Quantität und Qualität ihrer Nahrung wird beeinträchtigt werden.
Die Schlussfolgerung für Wale und Delphine ist demnach, dass höchstwahrscheinlich keine direkten Auswirkungen auf diese Tiere zu beobachten sein werden. Durch den Ölteppich hervorgerufenen Tode von Cetacea werden vermutlich nie entdeckt werden, da die toten Tierkörper zumeist zu Boden absinken. Auch ist über die in diesem Gebiet lebenden Tieren nicht so viel bekannt, dass einzelne Individuen vermisst werden könnten.

2.7 Folgen für die Menschen

Das Ausmaß des finanziellen Schadens ist zwar noch nicht bekannt, doch für die Menschen, die dort leben hat dieses Unglück große Folgen. Vor allem die Menschen in den Gebieten Galicien und La Coruña sind besonders betroffen. Meerestiere haben in dem stark verschmutzten Wasser keine Überlebenschance. Das führt dazu, dass die Fischer in diesen Gebieten nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihre Lebensgrundlage verlieren. Auch der Tourismus in den betroffenen Regionen ist stark zurückgegangen. Der Tanker hatte etwa 77.000 Tonnen Schweröl an Bord. Circa 125 Tonnen Öl liefen täglich ins offene Meer und verschmutzten den gesamten Küstenbereich. Es befinden sich noch ca. 50.000 Tonnen Öl an Bord. Das reicht für die Verschmutzung, und somit auch für die Zerstörung vieler Lebensräume für die nächsten drei Jahre.

2.8 Wie das Unglück der Prestige hätte verhindert werden können


Die Prestige ist ein alter einwandiger Öl-Tanker. Schiffe dieser Art werden oft auch als schwimmende Müllhalden und ökologische Zeitbomben bezeichnet. Die neuesten Schiffe werden zweiwandig gebaut, um Katastrophen dieser Art zu verhindern. Die EU-Verkehrskommission kritisiert zudem Versäumnisse von Risiken für Schiffssicherheit und Umwelt. Deshalb wird nun gefordert, dass solche alten und einwandigen Tanker schon vor dem Jahr 2015, wie geplant, aus dem Verkehr gezogen und verschrottet werden. Außerdem soll die mögliche Umrüstung der Tankerflotte auf sichere Doppelhüllen-Schiffe beschleunigt werden. Zudem sind die Kontrollen der EU in den Häfen oft lasch und unzulänglich. Die meisten Kontrollen werden nur willkürlich durchgeführt. So wurde die Prestige zuletzt vor drei Jahren kontrolliert. Damals wurde bereits die Sicherheit bemängelt. Die darauf angeordneten Reparaturen sind nie erfolgt. In den Gewässern der EU besteht auch keine Lotsenpflicht, sodass die Prestige auf Grund lief.
Im Fall der Prestige lehnten die spanischen Behörden 10 Tage lang die Hilfe aus dem Ausland ab und verschwiegen sogar das Unglück. Sie wollten das Schiff aus ihrer Zuständigkeit abgeben. Als nun schließlich Hilfe angenommen wurde, konnten sich die an der Aktion beteiligten Länder nicht einigen, wo das Schiff hinverfrachtet werden sollte. Man versuchte tagelang das Schiff aufs offene Meer zu schleppen, dadurch verlor das Schiff aber weiträumig das Öl. Später tauchte die portugiesische Marine mit Kriegsschiffen auf, so musste ein niederländischer Schlepper abrupt abdrehen, sodass die Prestige quer zu den Wogen kam. So zerbrach der Tanker. Diese Uneinigkeit machte das Unglück erst perfekt. In der europäischen Küstenwache mangelt es außerdem an Öl-Bekämpfungsschiffen. In der Region, wo der Tanker strandete, gab es nicht mal einen Schlepper, der diese verunglückten Schiffe hätte wegziehen können.